Kurzportrait

Obwohl der Reichshofrat - ebenso wie der Court of King's Bench, das Parlement de Paris und die Rota Romana - zu den herausragenden europäischen Höchstgerichten seiner Zeit und zu den bedeutendsten Institutionen des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation gehört, ist er weder in der historischen noch in der rechtshistorischen Forschung fest verankert. Dieses erstaunliche Defizit hängt entscheidend damit zusammen, dass die wichtigste Quelle für die Geschichte des Reichshofrats - die Akten, die aus seiner Tätigkeit hervorgegangen sind - bisher nahezu unerschlossen in den Archiven lagern.

Der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ist es gelungen, in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und dem Österreichischen Staatsarchiv ein Projekt zu initiieren, das diesen archivalischen Schatz für die gesamten Geistes- und Kulturwissenschaften nutzbar machen soll. Die Neuverzeichnung der im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv verwahrten Akten stellt einem großen Kreis von Interessierten diejenigen Informationen zur Verfügung, die sie für eine fruchtbare Arbeit mit der Überlieferung benötigen. Akte für Akte, Inventarnummer für Inventarnummer, öffnet sich dabei ein eindrucksvolles Panorama der täglichen Praxis eines frühneuzeitlichen Höchstgerichts und kaiserlichen Rats.

RHR Akten

Das langfristig angelegte Projekt erschließt mit den sog. „Alten Prager Akten”, den „Antiqua” und den „Denegata antiqua” einen großen Teil der Judizialakten des Reichshofrats aus dem 16. und 17. Jahrhundert. In den einzelnen Inventarbänden sollen insgesamt mehr als 20.000 Vorgänge neu verzeichnet werden. Damit werden rund ein Drittel der in Wien überlieferten reichshofrätlichen „Judicialia” erfasst.

Die Verzeichnung benennt detailliert die Parteien, die vor dem Reichshofrat in Erscheinung traten - vom mächtigen Kurfürsten bis zur armen Witwe, von adeligen Familien bis zu Bürger- und Bauerngemeinschaften. Sie erfasst Konflikte aus der Rechts- und Verfassungsgeschichte, der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, der Kriminal-, Militär-, Technik- und Handwerksgeschichte sowie Anträge auf diverse Vergünstigungen, Bitten um kaiserliche Hilfe und Berichte verschiedener Amtsträger an das Reichsoberhaupt.

Die jeweiligen Fälle werden ausführlich beschrieben und die Maßnahmen des Reichshofrats zur friedlichen Beilegung der Auseinandersetzungen genannt. Besonderes Augenmerk gilt außerdem den Aktenbeilagen von besonderem Quellenwert - etwa mittelalterlichen Urkunden, Rechnungsbüchern und Inventaren, Rechtsgutachten, Karten oder Plänen. Zu fast jedem Vorgang wird eine Laufzeit angegeben. Praktische Informationen zu Bestellsignatur und Aktenumfang runden die Verzeichnung ab. Ausführliche Indices - insbesondere der Orts- und Personennamen, ferner ein Sachregister - sowie eine chronologische Konkordanz helfen, aussagekräftige Akten für die jeweilige Fragestellung zu finden.

 
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